LESEZEICHEN
FÜR
DEUTSCH
LEHRENDE
Nachschlagewerke,
Zeitschriften,
Sprache,
Kultur,
Politik,
Gesellschaft,
Schule,
Studium
Auswärtige Kulturarbeit, Austauschprogramme, Stipendien
Links zu den kulturellen Auslandsbeziehungen deutschsprachiger Länder, zu Organisationen des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches und zu Stipendiengebern für Deutschlehrende, Studierende und Wissenschaftler. Weitere Stipendiengeber unter "Deutsch, ..." und "Hochschule, ...".Kulturelle Verbindungsarbeit und Netzgebrauch – von der Nützlichkeit des Internets als "Informantensystem".
aus: Info DaF 6/1998 (mit geringfügigen Änderungen und Ergänzungen)
Wer mit Büchern zu arbeiten und zu leben gewohnt ist, beobachtet irritiert, wie ein neues Medium sich anheischig macht, das Buch neu und besser wiederzuerfinden: das Internet. Entwickelt als Computernetzwerk für militärische und politische Zwecke, später auf wissenschaftliche Nutzung erweitert, ist "das Netz" seit einigen Jahren in explosionsartiger Ausdehnung begriffen, sowohl was die angebotenen Inhalte, als auch die Zahl der Nutzer und Nutzungen betrifft. Damit einher geht ein forsches Selbstbewußtsein von Teilen der Nutzergemeinschaft, die mit messianischem Gestus wieder einmal ein neues Zeitalter heraufkommen sehen. Mit umwerfend unschuldiger Frische werden Informationsangebote, die in ihrer traditionellen Printform keines sonderlichen Interesses würdig wären, mit einer Aura des Besonderen versehen, nur weil sie - in meist dürftiger Form - per Internet zugänglich sind.1)
Auch in der Begrifflichkeit tritt das junge Medium unverfroren das Erbe des ehrwürdigen Buches an. Das ganze Internet sei eine riesige Bibliothek, wird behauptet, die einzelnen Inhalte werden "Seiten" genannt, auch wenn es sich um Video- oder Audioangebote handelt. Zugriff auf diese hat der Internet-Nutzer oder die Nutzerin durch einen "Browser", was soviel wie "Blätterhilfe" bedeutet. Und wer bestimmte "Seiten" öfter besuchen möchte, setzt eine "Bookmark", ein "Lesezeichen".
Sind das alles nur Zeichen einer Hysterie, die am Ende vor
allem eines beweist: Dass das Medium Buch eben doch unschlagbar sei?
Vorsicht, das Internet ist noch jung und hat ein Recht darauf, in der
Begrifflichkeit vertraute Bereiche zu belehnen und zu Beginn auch
Peinlichkeiten zu produzieren. Es bietet jedoch bereits jetzt für
den Fremdsprachenbereich, und damit auch für Deutsch als
Fremdsprache, Hilfestellungen, von denen wir bisher nur zu träumen
wagten. Von den auch in dieser Zeitschrift bereits genannten und
teilweise beschriebenen Möglichkeiten2)
möchte ich zwei besonders herausheben: 1. Die Gestaltung einer je
sprachspezifischen Informations- und Gesprächsgemeinschaft
über Ländergrenzen hinweg, ohne Rücksicht auf
geographische, politische, soziale oder psychologische Barrieren - mit
einer, vorläufig noch erheblichen, Einschränkung: die
Teilnehmer des Gespräches müssen auf einen Computer mit
Internet-Zugang zugreifen können, materialiter und von ihrer
Kompetenz her. 2. Die Bereitstellung eines prinzipiell unabsehbaren
Fundus an Informationen und Materialien aus und über Deutschland,
zu Gesellschaft und Kultur, zur Sprache - aber auch zu spezifisch
wissenschaftlichen und fachdidaktischen Anliegen im Bereich
Germanistik/Deutsch als Fremdsprache. Wenn ich dafür den Begriff
"Informantensystem" anbiete, geschieht das mit einem ironischen
Unterton - die "Informanten" der Stasi und anderer Geheimdienste werden
konterkariert durch ein System, das prinzipiell alle Informationen
Allen zugänglich machen kann.
Während der erste Punkt vor allem für Deutschlernende relevant ist, die nun beispielsweise via Internet an jedem Punkt des Globus tagesaktuell und unabhängig von einer bestimmten Fluglinie deutschsprachige Zeitungen lesen können oder in Plauderstuben, Chat-Rooms, mit Deutschsprechern der ganzen Welt ins (schriftliche) "Gespräch" kommen können, das durch E-Mail-Partnerschaften bei Interesse vertieft werden kann, bezieht sich der zweite Punkt vor allem auf Deutschlehrende im Ausland, die bekanntlich nicht allzu oft die Gunst eines Goethe-Instituts mit wohlausgestatteter Bibliothek in unmittelbarer Nachbarschaft genießen.
Was das Abgeschnittensein von vertrauten Bibliothekskontakten bedeutet, konnte ich persönlich in meiner Arbeit als DAAD-Regionallektor in Kasachstan 1993-1996 erfahren. Ich war Ansprechpartner der Kolleginnen und Kollegen vor Ort für ein Fragenspektrum von der deutschen Gegenwartsliteratur über den kommunikativen Deutschunterricht bis zur Fachsprache Jura. Ferner sollte ich Bildungsadministratoren erklären, welche Fremdsprachen an deutschen Schulen mit wie vielen Wochenstunden gelehrt werden, wie Prüfungsordnungen an deutschen Hochschulen aussehen und welche Forschungseinrichtungen sich mit Lasertechnologie befassen - um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu kam, selbstverständlich, die eigene Unterrichtsvorbereitung. Und alles unter den Bedingungen, dass Telefonverbindungen nach Deutschland häufig zusammenbrachen, die Deutsche Welle meist nur verrauscht zu empfangen war, deutschsprachige Tageszeitungen vom Lufthansa-Bordservice bezogen werden mussten und die nächste moderne Bibliothek mit deutschsprachigem Bestand 1000 Kilometer entfernt lag.
Mangelhafter Zugang zu Informationen wird in den Aufgabenfeldern, die Deutsch als Fremdsprache im Ausland wesentlich betreffen, zu einem gravierenden Problem. Diese Aufgabenfelder gehören über die "reine" (und so ohnedies inexistente) Sprachvermittlung hinaus in den weiteren Kontext der kulturellen und gesellschaftlichen Vermittlungsarbeit. In seinem "Handbuch Lektorenarbeit" beschreibt der DAAD auf 46 Zeilen zu 80 Anschlägen das Tätigkeitsfeld eines Lektors ganz entsprechend, was in LektorInnenkreisen den Begriff "Allzweckwaffe" zur ironischen Selbstdefinition provoziert hat. Der Lektor/die Lektorin sei "Informations- und Beratungsinstanz in allen Angelegenheiten, die Deutschland betreffen"3). Ähnlich präsentiert sich die Situation bei anderen Mittlerorganisationen, die im Bereich Deutsch als Fremdsprache tätig sind. So bestimmt der Pressereferent des Goethe-Instituts die Hauptaufgabe der GI-Mitarbeiter im Ausland als "kulturelle Verbindungsarbeit"4), wie ja in der Spracharbeit der Institute seit langem schon die "pädagogische Verbindungsarbeit" Gewicht gewinne gegenüber dem direkten Sprachunterricht. Kostenbewußte Vermittlung von Informationen und Kontakten tritt hier als neue Erscheinungsform der aus der Entwicklungspolitik bekannten "Hilfe zur Selbsthilfe" an die Stelle einer veranstaltungsorientierten auswärtigen Kulturpolitik.5) Wer aber Informationen weitergeben soll, muss sie zunächst einmal selbst haben - oder doch zumindest die Mittel anbieten können, diese zu beschaffen.
Hier kommt dem Internet für die auswärtige Kulturarbeit und die Arbeit der Kulturmittler insgesamt eine Bedeutung zu, die in ihrem vollen Umfang längst nicht in das allgemeine Bewußtsein gedrungen ist und deren Realisierung teilweise auch noch an technischen Voraussetzungen scheitert. Eine skizzenhafte Vorstellung von dieser Bedeutung möchte mein Internet-Angebot "Lesezeichen für Deutschlehrende und –lernende" geben. Ich habe dieses kommentierte Linkverzeichnis auf der Basis meiner Erfahrungen als DaF-Dozent für Deutschlehrer der Romania und als vom DAAD nach Kasachstan und in die Russische Föderation entsandter Lektor zusammengestellt. Maßgebend war vor allem die Arbeitserfahrung in Kasachstan, wie sie oben skizziert ist, und damit eine extreme Anforderung: Auf alle Fragen, die einem Mittler für Deutsche Sprache und Kultur im Ausland begegnen können, Antworten zu beschaffen, soweit dies über das Internet möglich ist.
Die Liste umfaßt daher nicht nur Ressourcen aus dem Bereich Germanistik/Deutsch als Fremdsprache, sondern auch Informationsangebote für den Fachsprachenunterricht, Datenbestände zu Fragen der schulischen Bildung, des Hochschulwesens und der Forschung in Deutschland sowie allgemeine Quellen zur landeskundlichen und kulturellen Auseinandersetzung mit Deutschland. Wer ein gutes deutsches Konversationslexikon im Bücherschrank stehen hat, benötigt natürlich nicht den entsprechenden Link im Internet. Es schadet jedoch nicht, zur Kenntnis zu nehmen, dass es auch dieses Informationsangebot gibt. Denn auf eine Vortragsreise oder einen längeren Auslandsaufenthalt z.B. nimmt man in der Regel die Hausbibliothek nicht mit - während eine Telefonbuchse für den Internet-Zugang häufig verfügbar ist.
Diese Lesezeichen-Sammlung möchte keineswegs in Konkurrenz treten zu den zahlreichen, teilweise ganz ausgezeichneten, von Universitätsinstituten oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen wie dem Goethe-Institut erstellten Internet-Verzeichnissen, die es für den Bereich Germanistik/Deutsch als Fremdsprache bereits gibt. Mein Anliegen ist vielmehr, von meiner praktischen Erfahrung im Auslandseinsatz her eine Lücke zu schließen zwischen den professionellen Verzeichnissen, die im konkreten Auslandseinsatz alleine unzureichend sind, und den privaten Listen für unseren Arbeitsbereich, die in der Regel nur eine sehr subjektive Linkauswahl und keine oder nur unzureichende Kommentare bieten.
Aus Gründen der Handhabbarkeit ist der Umfang der Liste auf etwa 350 Links beschränkt. In ihrer Themenauswahl spiegelt sie den polymorph-rhapsodischen Charakter eines großen Teils des Deutschunterrichts im Ausland und der Auslandsgermanistik wider. Literaturwissenschaftler, die sich mit Wirtschaftsdeutsch beschäftigen, Jurastudenten, die aktuelle Texte aus deutschen Tageszeitungen lesen wollen, Militärdolmetscher, die sich in literarischem Übersetzen versuchen, Deutschlehrer, Touristen, Schüler, Germanisten, Geschäftsleute und Politiker: sie alle prägen mit ihren spezifischen Bedürfnissen ein Bild von Deutsch als Fremdsprache, das so bunt ist wie das Internet - und dies nicht erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Gegliedert ist die Liste nach den folgenden Rubriken, wobei primär praktische Gründe für die – von notwendigen Überschneidungen geprägte - Kategorieneinteilung bestimmend waren:
1. Suchmaschinen, Lotsen, Netzkataloge; 2. Nachschlagewerke; 3. Zeitungen, Zeitschriften, TV; 4. Landeskunde, Reisen; 5. Politik, Gesellschaft, Religion; 6. Geschichte; 7. Kultur; 8. Deutsch, Deutsch als Fremdsprache; 9. Unterrichtspraxis, Zertifikate, Tests; 10. Übersetzen, Dolmetschen; 11. Wirtschaft, Arbeitswelt; 12. Recht; 13. Naturwissenschaft, Technik, Medizin; 14. Schule, Bildung, Pädagogik; 15. Hochschule, Studium, Forschung; 16. Auswärtige Kulturarbeit, Ausländerstudium, Stipendien; 17. Kinderseiten; 18. Jugendseiten; 19. Nachlese.
Die Kurzlebigkeit vieler Internet-Seiten – der Gründer des Internet-Archivs spricht von einer durchschnittlichen Existenzdauer von 75 Tagen 6) - könnte dazu verleiten, nur auf Suchkompetenz und leistungsfähige Suchmaschinen wie "Google" zu setzen, nicht auf Link-Listen. Es scheint mir jedoch unabdingbar, zunächst überblickshaft zu wissen, was es im Netz zu einem bestimmten Zeitpunkt an Angeboten gibt, um Anhaltspunkte für die spätere Suche nach diesen (oder ähnlichen) Angeboten zu haben, wenn die Seiten umgezogen (oder aufgelöst) sind. Die Namen der Autoren und der zuständigen Organisationen können dabei helfen, eine Seite wiederzufinden.7)
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1) In der Zeitschrift "T-Online", Heft
1/1998, S. 114 wird z.B. eine reichlich blasse Seite zum Käse, die
von jedem einschlägigen Taschenbuch weit in den Schatten gestellt
wird, wie folgt angepriesen: "Ein Genuß für Käsefreunde
und solche, die es werden wollen. Das umfangreiche
Käse-Bilderlexikon verrät alles über alle
Käsesorten der Welt (...)." De facto werden jedoch z.B. aus
Deutschland ganze 8 vermeintliche Sorten vorgestellt, darunter
"Bergader", "Doppelrahmstufe" und "Weichkäse"!
2) Z.B. von Dietmar Rösler in seinem
Aufsatz "Autonomes Lernen?", Info DaF 1/1998, S. 12f.
3) DAAD (Hg.): Handbuch für
Lektorenarbeit, Vorwort. Dort wird auch noch präzisiert, dass es
sich dabei um "wissenschaftliche Fragen ebenso wie Förderfragen,
Alltagsdinge ebenso wie Politik und Kultur" handele. Zu den
Lehraufgaben werden folgende Gebiete angegeben: "Sprachwissenschaft,
Literaturwissenschaft, Didaktik und Landeskunde", ferner
nicht-philologische Disziplinen wie Jura, Ökonomie,
Politikwissenschaft und Geschichte.
4) Zeitschrift für Kulturaustausch, Heft
1&2/1997, "Merkur statt Titan", S. 16f. Kritische Anmerkungen von
Albert Wassener zu diesem Beitrag finden sich in der gleichen
Zeitschrift, Heft 4/1997, S. 10ff.
5) Wieweit die hier aufscheinende Parallele von
Entwicklungshilfepolitik und auswärtiger Kulturpolitik nicht
letztere desavouiert, wäre eine noch der Erörterung
würdige Frage.
6) Brewster Kahle, Archiving the Internet,
11.04.1996, <http://www.archive.org>.
7) Unter Benutzung einer Suchmaschine.