LESEZEICHEN für DEUTSCH
LEHRENDE und LERNENDE
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![]() Svenja Rehse, Lebensfaden, 2015 |
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aus: Info DaF 6/1998 (Auszug, mit geringfügigen Änderungen und Ergänzungen)
Wer mit Büchern zu arbeiten und zu leben gewohnt ist, beobachtet irritiert, wie ein neues Medium sich anheischig macht, das Buch neu und besser wiederzuerfinden: das Internet. Entwickelt als Computernetzwerk für militärische und politische Zwecke, später auf wissenschaftliche Nutzung erweitert, ist "das Netz" seit einigen Jahren in explosionsartiger Ausdehnung begriffen, sowohl was die angebotenen Inhalte, als auch die Zahl der Nutzer und Nutzungen betrifft. Damit einher geht ein forsches Selbstbewußtsein von Teilen der Nutzergemeinschaft, die mit messianischem Gestus wieder einmal ein neues Zeitalter heraufkommen sehen. Mit umwerfend unschuldiger Frische werden Informationsangebote, die in ihrer traditionellen Printform keines sonderlichen Interesses würdig wären, mit einer Aura des Besonderen versehen, nur weil sie - in meist dürftiger Form - per Internet zugänglich sind.1)
Auch in der Begrifflichkeit tritt das junge Medium unverfroren das Erbe des ehrwürdigen Buches an. Das ganze Internet sei eine riesige Bibliothek, wird behauptet, die einzelnen Inhalte werden "Seiten" genannt, auch wenn es sich um Video- oder Audioangebote handelt. Zugriff auf diese hat der Internet-Nutzer oder die Nutzerin durch einen "Browser", was soviel wie "Blätterhilfe" bedeutet. Und wer bestimmte "Seiten" öfter besuchen möchte, setzt eine "Bookmark", ein "Lesezeichen".
Sind
das alles nur Zeichen einer Hysterie, die am Ende vor
allem eines beweist: Dass das Medium Buch eben doch
unschlagbar sei? Vorsicht, das Internet ist noch jung und
hat ein Recht darauf, in der Begrifflichkeit vertraute
Bereiche zu belehnen und zu Beginn auch Peinlichkeiten zu
produzieren. Es bietet jedoch bereits jetzt für den
Fremdsprachenbereich, und damit auch für Deutsch als
Fremdsprache, Hilfestellungen, von denen wir bisher nur zu
träumen wagten. Von den auch in dieser Zeitschrift bereits
genannten und teilweise beschriebenen Möglichkeiten2) möchte ich
zwei besonders herausheben: 1. Die Gestaltung einer je
sprachspezifischen Informations- und Gesprächsgemeinschaft
über Ländergrenzen hinweg, ohne Rücksicht auf
geographische, politische, soziale oder psychologische
Barrieren - mit einer, vorläufig noch erheblichen,
Einschränkung: die Teilnehmer des Gespräches müssen auf
einen Computer mit Internet-Zugang zugreifen können,
materialiter und von ihrer Kompetenz her. 2. Die
Bereitstellung eines prinzipiell unabsehbaren Fundus an
Informationen und Materialien aus und über Deutschland, zu
Gesellschaft und Kultur, zur Sprache - aber auch zu
spezifisch wissenschaftlichen und fachdidaktischen
Anliegen im Bereich Germanistik/Deutsch als Fremdsprache.
Wenn ich dafür den Begriff "Informantensystem" anbiete,
geschieht das mit einem ironischen Unterton - die
"Informanten" der Stasi und anderer Geheimdienste werden
konterkariert durch ein System, das prinzipiell alle
Informationen Allen zugänglich machen kann.
Während der erste Punkt vor allem für Deutschlernende relevant ist, die nun beispielsweise via Internet an jedem Punkt des Globus tagesaktuell und unabhängig von einer bestimmten Fluggesellschaft deutschsprachige Zeitungen lesen können oder in Plauderstuben, Chat-Rooms, mit Deutschsprechern der ganzen Welt ins (schriftliche) "Gespräch" kommen können, das durch E-Mail-Partnerschaften bei Interesse vertieft werden kann, bezieht sich der zweite Punkt vor allem auf Deutschlehrende im Ausland, die bekanntlich nicht allzu oft die Gunst eines Goethe-Instituts mit wohlausgestatteter Bibliothek in unmittelbarer Nachbarschaft genießen.
Was das Abgeschnittensein von vertrauten Bibliotheks- und Informationsstrukturen bedeutet, konnte ich persönlich in meiner Arbeit als DAAD-Regionallektor in Kasachstan 1993-1996 erfahren. Ich war Ansprechpartner der Kolleginnen und Kollegen vor Ort für ein Fragenspektrum von der deutschen Gegenwartsliteratur über den kommunikativen Deutschunterricht bis zur Fachsprache Jura. Ferner sollte ich Bildungsadministratoren erklären, welche Fremdsprachen an deutschen Schulen mit wie vielen Wochenstunden gelehrt werden, wie Prüfungsordnungen an deutschen Hochschulen aussehen und welche Forschungseinrichtungen sich mit Lasertechnologien befassen - um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu kam, selbstverständlich, die eigene Unterrichtsvorbereitung. Und alles unter den Bedingungen, dass Telefonverbindungen nach Deutschland häufig zusammenbrachen, die Deutsche Welle meist nur verrauscht zu empfangen war, deutschsprachige Tageszeitungen vom Lufthansa-Bordservice bezogen werden mussten und die nächste moderne Bibliothek mit deutschsprachigem Bestand 1000 Kilometer entfernt lag.
Mangelhafter Zugang zu Informationen wird in den Aufgabenfeldern, die Deutsch als Fremdsprache im Ausland wesentlich betreffen, zu einem gravierenden Problem. Diese Aufgabenfelder gehören über die "reine" (und so ohnedies inexistente) Sprachvermittlung hinaus in den weiteren Kontext der kulturellen und gesellschaftlichen Vermittlungsarbeit. In seinem "Handbuch Lektorenarbeit" beschreibt der DAAD auf 46 Zeilen zu 80 Anschlägen das Tätigkeitsfeld eines Lektors ganz entsprechend, was in LektorInnenkreisen den Begriff "Allzweckwaffe" zur ironischen Selbstdefinition provoziert hat. Der Lektor/die Lektorin sei "Informations- und Beratungsinstanz in allen Angelegenheiten, die Deutschland betreffen"3). Ähnlich präsentiert sich die Situation bei anderen Mittlerorganisationen, die im Bereich Deutsch als Fremdsprache tätig sind. So bestimmt der Pressereferent des Goethe-Instituts die Hauptaufgabe der GI-Mitarbeiter im Ausland als "kulturelle Verbindungsarbeit"4), wie ja in der Spracharbeit der Institute seit langem schon die "pädagogische Verbindungsarbeit" Gewicht gewinne gegenüber dem direkten Sprachunterricht. Kostenbewußte Vermittlung von Informationen und Kontakten tritt hier als neue Erscheinungsform der aus der Entwicklungspolitik bekannten "Hilfe zur Selbsthilfe" an die Stelle einer veranstaltungsorientierten auswärtigen Kulturpolitik.5) Wer aber Informationen weitergeben soll, muss sie zunächst einmal selbst haben - oder doch zumindest die Mittel anbieten können, diese zu beschaffen.
Hier
kommt dem Internet für die auswärtige Kulturarbeit und die
Arbeit der Kulturmittler insgesamt eine Bedeutung zu, die
in ihrem vollen Umfang längst nicht in das allgemeine
Bewußtsein gedrungen ist und deren Realisierung teilweise
auch noch an technischen Voraussetzungen scheitert.
(...)
**************
1) In der Zeitschrift "T-Online", Heft 1/1998, S. 114 wird
z.B. eine reichlich blasse Internetseite zum Käse, die von
jedem einschlägigen Taschenbuch weit in den Schatten
gestellt wird, wie folgt angepriesen: "Ein Genuß für
Käsefreunde und solche, die es werden wollen. Das
umfangreiche Käse-Bilderlexikon verrät alles über alle
Käsesorten der Welt (...)." De facto werden jedoch z.B. aus
Deutschland ganze 8 vermeintliche Sorten vorgestellt,
darunter "Bergader", "Doppelrahmstufe" und "Weichkäse"!
2) Z.B. von Dietmar Rösler in seinem Aufsatz "Autonomes
Lernen?", Info DaF 1/1998, S. 12f.
3) DAAD (Hg.): Handbuch für Lektorenarbeit, Vorwort. Dort
wird auch noch präzisiert, dass es sich dabei um
"wissenschaftliche Fragen ebenso wie Förderfragen,
Alltagsdinge ebenso wie Politik und Kultur" handele. Zu den
Lehraufgaben werden folgende Gebiete angegeben:
"Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Didaktik und
Landeskunde", ferner nicht-philologische Disziplinen wie
Jura, Ökonomie, Politikwissenschaft und Geschichte.
4) Zeitschrift für Kulturaustausch, Heft 1&2/1997,
"Merkur statt Titan", S. 16f. Kritische Anmerkungen von
Albert Wassener zu diesem Beitrag finden sich in der
gleichen Zeitschrift, Heft 4/1997, S. 10ff.
5) Wieweit die hier aufscheinende Parallele von
Entwicklungshilfepolitik und auswärtiger Kulturpolitik nicht
letztere desavouiert, wäre eine noch der Erörterung würdige
Frage.
RUBRIKEN MEINES LINKKATALOGES ⇧
Ich habe dieses kommentierte Linkverzeichnis, "Lesezeichen
für Deutschlehrende und -lernende", auf der Basis meiner
Erfahrungen als DaF-Dozent für Deutschlehrer der Romania und
als vom DAAD nach Kasachstan und in die Russische Föderation
entsandter Lektor zusammengestellt. Maßgebend war vor allem
die Arbeitserfahrung in Kasachstan und damit eine extreme
Anforderung: Auf alle Fragen, die einem Mittler für Deutsche
Sprache und Kultur im Ausland begegnen können, Antworten zu
beschaffen, soweit dies über das Internet möglich ist.
Die Liste umfaßt nicht nur Ressourcen aus dem Bereich Germanistik/Deutsch als Fremdsprache, sondern auch Informationsangebote für den Fachsprachenunterricht, Datenbestände zu Fragen der schulischen Bildung, des Hochschulwesens und der Forschung in Deutschland sowie allgemeine Quellen zur landeskundlichen und kulturellen Auseinandersetzung mit Deutschland. Wer ein gutes deutsches Konversationslexikon im Bücherschrank stehen hat, benötigt natürlich nicht den entsprechenden Link im Internet. Es schadet jedoch nicht, zur Kenntnis zu nehmen, dass es auch dieses Informationsangebot gibt. Denn auf eine Vortragsreise oder einen längeren Auslandsaufenthalt z.B. nimmt man in der Regel die Hausbibliothek nicht mit - während eine Telefonbuchse für den Internet-Zugang oder inzwischen WLAN häufig verfügbar sind.
Diese Lesezeichen-Sammlung möchte keineswegs in Konkurrenz treten zu den zahlreichen, teilweise ganz ausgezeichneten, von Universitätsinstituten oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen wie dem Goethe-Institut erstellten Internet-Verzeichnissen, die es für den Bereich Germanistik/Deutsch als Fremdsprache gibt. Mein Anliegen ist vielmehr, von meiner praktischen Erfahrung im Auslandseinsatz her eine Lücke zu schließen zwischen den professionellen Verzeichnissen, die im konkreten Auslandseinsatz alleine unzureichend sind, und den privaten Listen für unseren Arbeitsbereich, die in der Regel nur eine sehr subjektive Linkauswahl und keine oder nur unzureichende Kommentare bieten.
Aus Gründen der Handhabbarkeit ist der Umfang der Liste auf etwa 330 Links beschränkt. In ihrer Themenauswahl spiegelt sie den polyvalenten Charakter eines großen Teils des Deutschunterrichts im Ausland und der Auslandsgermanistik wider. Literaturwissenschaftler, die sich mit Wirtschaftsdeutsch beschäftigen, Jurastudenten, die aktuelle Texte aus deutschen Tageszeitungen lesen wollen, Militärdolmetscher, die sich in literarischem Übersetzen versuchen, Deutschlehrer, Touristen, Schüler, Germanisten, Geschäftsleute und Politiker: Sie alle prägen mit ihren spezifischen Bedürfnissen ein Bild von Deutsch als Fremdsprache, das so bunt ist wie das Internet - und dies nicht erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.